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Politische Ränkespiele in Pompeii

Der 9. Kleinkunstabend Latein des Gymnasiums Wilhelmsdorf nahm das gebannte Publikum in der voll besetzten Wilhelmsdorfer Kulturscheune unter dem Motto „Pompeii Reloaded“ wieder mit auf eine lehrreiche Zeitreise an den Ort, der wie kein anderer für opulente römische Lebensart und tragischen Untergang im Schatten des Vesuvs steht.

Das Schauspielerensemble und der Chor aus den Klassen 6 bis K 2 stellten diesmal die Ober- und Unterwelt der luxuriösen Thermen in den Mittelpunkt des Geschehens und stellten dabei erneut pointierte Bezüge zu manchen Zu- und Missständen unserer Zeit her. 

Das Bühnenstück aus der kreativen Feder von Lateinlehrerin Martina Lagler und ihrem Kreativ-Team der Latein-AG (Hanna Gäßler, Ellen Jehle und Jule Schöllhorn) verknüpfte aktionsreichen Spielszenen, informative Einlagen und schwungvolle Chorbeiträge unter der Leitung von Raffael Prospero. Es zeigt die Thermen Pompeiis als einen Ort der genussreichen Entspannung für die Oberschicht und der schweißtreibenden, undankbaren Arbeit von Sklavinnen und Sklaven. Zwischen Kaltgüssen und Dampfbädern, bei Wein und exquisiten Häppchen werden zudem illegale Geschäfte und politische Karrieren angebahnt, verantwortungsloser Pfusch beim Neubau eines Badetempels heftig debattiert und das betrügerische Anzapfen städtischer Wasserleitungen detektivisch verfolgt. Die für die Bädertechnik zuständigen Aquarii haben alle Hände voll zu tun, bei diesem beunruhigenden Treiben den Überblick zu behalten. Und dazu erreicht der Wahlkampf um die alljährlich neu zu wählenden Ämter der beiden Ädilen (Minister) und Dumvirn (oberste Beamte) gerade seinen hitzigen Höhepunkt. Die Wahlkampfteams der diesjährigen Kandidaten erörtern die perfekten Wahlkampfstrategien und ziehen dabei Ciceros Brevier zu Rate. Es empfiehlt, eine große Anhängerschaft zu sammeln und mit ihr öffentlichkeitswirksam durch die Stadt zu ziehen, Bürgernähe und gefälligen Small Talk zu pflegen, Versprechungen ohne Festlegungen zu machen, Gefälligkeiten und Geschenke fürs Wahlvolk zu bedenken. (Ist dieses Werk angesichts der nicht gerade makellosen politischen Laufbahn seines Autors allerdings wirklich ein Erfolgsgarant?) Die Wahlkämpfer überbieten sich in zündenden Wahlkampfparolen, die in Pompeii kunstvoll an die Häuserfassaden gepinselt werden, und versuchen mit vereinten Kräften eine besonders prominente und ehrenwerte Gefolgschaft zu gewinnen. Ein Gedankengut und ein Gebaren, die uns heute noch allzu vertraut erscheinen. Offenkundige Parallelen zeigen sich auch in der gemeinsamen Leidenschaft für luxuriöse Badekultur, die einen damals wie heute gedankenlos verschwenderischen Wasser- und Energieverbrauch bedeutet und eine erhebliche Belastung der Umwelt nach sich zieht. 

Dieser Theaterabend der Fachschaft Latein hielt Gesellschaft und Wertewelt in der Antike und Gegenwart wieder einmal auf unterhaltsame, lehrreiche und kritische Weise den Spiegel vor. Das traditionelle römische Buffet rundete das Programm in opulenter Vielfalt gelungen ab und bot Gelegenheit, die gedanklichen Impulse im Gespräch zu vertiefen. 

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