Kontaktmöglichkeiten:

  • bei Krankheit:    07503.921.311
  • Herr Baumann: 07503.921.310
  • Lehrerzimmer:  07503.921.314

  
  

Terminplan



.

 

Datenschutz

Impressum

Macht Mathematik glücklich?

Mathematik-Professor Christian Hesse ist zu Gast beim Festlichen Abend des Gymnasiums Wilhelmsdorf

Auf dem zwanzigsten Festlichen Abend des Gymnasiums Wilhelmsdorf erklärt Prof. Dr. Christian Hesse, einer der bekanntesten Mathematiker Deutschlands von der Universität Stuttgart, seine Definition von Glück und den Einfluss der Mathematik darauf.
In seinem Fachvortrag zeigt er an verschiedenen Beispielen, wie angewandte Wahrscheinlichkeitstheorie in alltägliche Fragen des Lebens hineinspielt und unsere Welt beeinflusst.

Mathematiker sind mythische Wesen

Rund 200 Gäste waren der Einladung des Gymnasiums Wilhelmsdorf in den Bürgersaal gefolgt, um sich mit dem vermeintlich abstrakten Thema Mathematik zu beschäftigen. In der Tradition der Festlichen Abende, renommierte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft ins beschauliche Wilhelmsdorf zu führen, war es gleich auf den ersten Anlauf gelungen, Prof. Dr. Christian Hesse, Mathematikprofessor der Universität Stuttgart mit dem Forschungsschwerpunkt Stochastik, als Gastredner zu gewinnen. Wie Schulleiter Johannes Baumann zur Begrüßung mitteilte, „ist er ein Großmeister seines Fachs“, eines Faches, das nicht nur bei Schülern oft als anspruchsvoll und wirklichkeitsfremd wahrgenommen wird.„Mathematiker sind mythische Wesen: Halb Mensch – halb Stuhl“, bestätigt Prof. Christian Hesse durchaus selbstironisch diese zum Teil richtige Wahrnehmung seines Fachs. In der Anwendung der Wahrscheinlichkeitstheorie auf unsere Alltagsfragen liege ein wesentlicher Lebensbezug der Mathematik. So versteht er auch sein neustes Buch „Leben²“ als Anleitung, „wie Sie mit Mathematik ihre Ehe verbessern, länger leben und glücklicher werden.“Die Definition von Glück formuliert Prof. Christian Hesse rein mathematisch: Als Zufall, der im Gegensatz zu Pech, positiv empfunden wird. Mathematisch ausgedrückt, ist Glück somit nichts anderes als eine berechenbare Wahrscheinlichkeit.Das Eintreten eines solchen Zufalls wird intuitiv oft falsch eingeschätzt. So ist es wahrscheinlicher, dass zwei von 23 Menschen am gleichen Tag Geburtstag haben, als auf das erste Mal eine 6 zu würfeln. Auch die Berechnung von Risiken im Alltag ist Teil der angewandten Stochastik: Es überrascht nicht, dass Aktivitäten wie Rauchen und Motorradfahren unser Sterberisiko auch rechnerisch erhöhen. Auch wenn die statistisch höchste Sterbegefahr schon bei der Geburt erlebt wird und gänzlich unbeeinflussbar bleibt. Für den unwahrscheinlichen Fall eines Sechsers im Lotto, der bei 1:14 Millionen liegt, empfiehlt Prof. Christian Hesse bestimmte Tippmuster, wie Geburtstage oder graphische Anordnungen auf dem Lottoschein zu vermeiden. Nicht, weil die Gewinnchancen sich verändern, sondern, weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass mehrere die gleichen Tippgewohnheiten haben.Den wahrscheinlich praxisnahsten Bezug zu unserem Alltag formuliert der Mathematiker in seiner 5:1-Regel einer glücklichen Ehe. Belegt durch statistische Erhebungen zeigt sich, dass Ehen, in denen mehr positive Interaktionen zwischen den Ehepartnern stattfinden als negative, länger halten. Die größte Wahrscheinlichkeit für eine glückliche Ehe liege dann vor, wenn das Positive das Negative im Verhältnis 5:1 überwiege. Einfach ausgedrückt: Eine Meinungsverschiedenheit muss mit fünf Glücksgefühlen wie Komplimenten, Anerkennungen oder ähnlichem aufgewogen werden. Wobei das Wort „Gefühl“ in diesem mathematischen Vortrag zum Thema Glück keine Erwähnung findet – eine offensichtlich gänzlich unmathematische Größe.Prof. Christian Hesse ermöglicht den Zuhörern an diesem Abend einen kleinen Einblick auf das Leben durch die Brille der Wahrscheinlichkeit. Und so überrascht es nicht, dass der Wahrscheinlichkeitstheoretiker auf die Frage, ob er Lotto spiele, die Antwort gibt: „Nein.“ Denn die Chance, Lottokönig zu werden, ist genau so groß, wie das Risiko, auf einem 15-minütigen Weg zur Lottoannahmestelle ums Leben zu kommen. Sarah Foh