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Terminplan

Lernen für die Schule in der Zeit der Pubertät – eine Herausforderung für Eltern und Lehrer

Der Förderverein des Gymnasiums Wilhelmsdorf lud am 13.2.2014 zu einem Vortragsabend über das Thema Lernen für die Schule in der Zeit der Pubertät – eine Herausforderung für Eltern und Lehrer ein. Die Veranstaltung bot sehr informative und humorvolle Einblicke in eine sehr bewegende und bewegte Lebensphase, die Jugendliche, Eltern und Lehrer gleichermaßen in Atem hält.

Wir alle sind lernfähig, aber unbelehrbar

„Pubertierende gleichen vollbesetzten Düsenjets, die mit  Vollgas über die Startbahn rasen, während im Cockpit noch die Kontrollinstrumente, der Schleudersitz und der Autopilot zusammengeschraubt werden!“ Udo Zimmermann, Diplom-Pädagoge und Lerncoach am Gymnasium  Wilhelmsdorf, verwendete in seinen Ausführungen sehr bildkräftige Vergleiche, um dem Publikum aus Eltern und Lehrern der Mittelstufe im gut besetzten Bürgersaal die physischen und psychologischen Umwälzungen, die in der Pubertät zu meistern sind, angemessen vor Augen zu führen.
Es setzen tiefgreifende und sich immer früher ankündigende körperliche Veränderungen ein, die sehr viel Energie kosten und auch seelisch bewältigt werden müssen. Im Gehirn beginnen gleichfalls wichtige neue Prozesse, die die Heranwachsenden in ihrer Wahrnehmung, in ihrem Verhalten und Lernen  nachhaltig beeinflussen. „Es finden Unmengen von neuen neuronalen Verschaltungen statt,“ erklärte Herr Zimmermann, „während alte Verknüpfungen verloren gehen. Das hat entscheidende Konsequenzen: Die Basis für wichtige Erfahrungen, Werthaltungen und Verhaltensregeln muss vor der Pubertät gelegt werden, um nachhaltig zu sein. Je gefestigter Verhaltensmuster und Denkstrukturen sind, desto weniger besteht die Gefahr, dass sie in der Pubertät verloren gehen. USE IT OR LOSE IT!“
Im Zuge der vielfältigen „Umbaumaßnahmen“ während der Pubertät tritt der Einfluss des präfrontalen Cortex im Gehirn, wo die Kontrolle von Emotionen und Impulsen gesteuert werden, zurück, während der Mandelkern (die Amygdala) und die Zirbeldrüse sehr aktiv werden. Das Belohnungssystem in diesen Gehirnzonen wird zunehmend hungrig auf Neues, auf Belohnung und Verstärkung. Daher kann sich auch Suchtverlangen ausbilden, z.B. das Ausprobieren von Nikotin, Drogen und Alkohol. Emotionale Lernprozesse treten in den Vordergrund – Sympathie, Empathie und Freundschaft werden zu ganz zentralen Faktoren für die Motivation beim Lernen.
Was bedeuten nun diese Erkenntnisse für diejenigen, die die Pubertierenden in dieser Zeit begleiten und fördern – die Eltern und Lehrer?
„Wir alle sind lernfähig, aber unbelehrbar. Wir lernen nicht, wenn wir lernen sollen, sondern wenn wir lernen wollen. Dies gilt ja für uns alle und ganz besonders in der Pubertät!“, verdeutlichte Herr Zimmermann.  In Elternhaus und Schule ist daher eine Atmosphäre, die positive Beziehungen, Vertrauen und Wohlfühlen ermöglicht, von entscheidender Bedeutung. Sie schafft Selbstvertrauen, Kritikfähigkeit und das Vermögen, sich selbst zu strukturieren und zu motivieren.
Das Zusammenspiel zwischen Eltern, Jugendlichen und Lehrern wird in einer Zeit, in der von den Jugendlichen alles sehr emotional bewertet wird, immer sensibler. Deshalb ist ein verstärkter Austausch zwischen Elternhaus und Schule besonders wichtig. Beide Bereiche müssen ein Umfeld bieten, das über klare Regeln und Rituale Verlässlichkeit und Sicherheit gewährleistet, aber auch zum Ausprobieren ermutigt und viele Gelegenheiten für Erfolgserlebnisse schafft. Der sorgsame Aufbau von emotionaler Bindung und Nähe erlaubt dann auch das Austragen von Konflikten, das die Jugendlichen für ihre selbstständige Entwicklung erlernen und einüben müssen. Die Eltern und Lehrer hingegen müssen sich darin üben, den Jugendlichen Verständnis und Vertrauen zu schenken, ihren Bedürfnissen nach Freiheit und Selbstausdruck Respekt entgegen zu bringen und Entwicklungsprozessen Zeit zu lassen. Dabei kann der Austausch mit anderen Betroffenen oder mit professionellen Ratgebern eine wertvolle Hilfe sein.
Im letzten Teil des Abends ging der Schulleiter Herr Baumann auf ein ganz praktisches Arbeitsfeld der „Schule in der Pubertät“ ein, das sich immer wieder zum Minenfeld zwischen Elternhaus und Schule entwickelt: die Hausaufgaben. Ergebnisse aus der Bildungsforschung zeigen, dass direktes Eingreifen, zu enge Aufsicht und Kontrolle Schüler verunsichern, zu viel Engagement von Seiten der Eltern zu einer eher ungünstigen Leistungsentwicklung führt. Den Lehrern empfahl Herr Baumann, regelmäßig, aber nicht zu viel Hausaufgaben zu geben, deren Sinn im Unterrichtskontext zu verdeutlichen sowie mit vorrangig vorbereitenden, Neugier weckenden und offenen Aufgaben mehr Motivation zu schaffen. Hausaufgaben brauchen Differenzierung und ein sorgfältiges Feedback, um für die Schüler sinnhaft zu sein.
In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass Hausaufgaben in der Tat einigen Konfliktstoff zuhause und in der Schule bergen. Herr Hoffmann regte an, in Abstimmung mit den Jugendlichen für sie geeignete Lernzeiten und –umgebungen zu vereinbaren, Fortschritte zu loben und Druck aus dem Geschehen zu nehmen. In der Schule sollte die Ballung von Klassenarbeitsterminen vermieden und bei den Hausaufgaben Rücksicht genommen werden. Es gelte, Hausaufgaben nicht zum Machtkampf verkommen zu lassen, als Recht des Lehrers und als Pflicht der Schüler.
Der Abend klang mit der Empfehlung der beiden Referenten aus, wo immer möglich, Zuversicht, Humor  und Gelassenheit walten zu lassen – es handle sich ja um eine Lebensphase, die wir alle mit ihren besonderen Höhen und Tiefen durchlebt und überstanden hätten.

(Erstellt am 14. Februar 2014)